Erik Müller: Zusammen ist man weniger allein

Erscheinungsdatum: 21. Dez 2018 | Eurex Exchange

Erik Müller: Zusammen ist man weniger allein

Gemeinsam mit unseren Kunden schaffen wir eine echte Alternative für das Clearing von Zinsswaps innerhalb der EU.

Erik Müller, Vorstandsvorsitzender der Eurex Clearing AG, spricht über das Partnerschaftsprogramm für das Zinsderivatesegment, für Repogeschäfte und das FX-Geschäft, wie Eurex Clearing eine Alternative zum Clearing in London schafft und wie das Clearinghaus eine wichtige Abhilfe bei Risiken ist.

Der Artikel wurde ursprünglich in der Börsen-Zeitung am 21. Dezember 2018 veröffentlicht. 

Erik Müller, CEO of Eurex Clearing AGZoom

Erik Müller, CEO of Eurex Clearing AG

Der Startschuss ist am 1. Januar 2018 gefallen: Vor fast einem Jahr lief unser Partnerschaftsprogramm mit damals 25 Teilnehmern an. Wir hatten – und haben – ein gemeinsames Ziel vor Augen, und das lautet, eine Alternative für das Clearing von außerbörslich gehandelten Zinsderivaten in Kontinentaleuropa zu schaffen. Zwölf Monate später verbuchen wir einen gemeinsamen Erfolg.

Marktanteil rund 10 Prozent

Unser Marktanteil in Euro denominierten Instrumenten lag im November 2018 bei rund 10 Prozent, mittlerweile hat das ausstehende Nominalvolumen über EUR 10 Billionen erreicht und erste Adressen der Branche sprechen auch öffentlich über ihre Pläne weitere Geschäfte an die Eurex Clearing zu verlagern.

Im Dezember hat Eurex Clearing erstmalig auch einen Service im Angebot, der es Banken erlaubt, Geschäfte zu komprimieren. Dies reduziert möglicherweise kurzfristig das ausstehende Volumen, ist aber vor allem wichtig, um im Jahr 2019 noch mehr Bankenliquidität zu gewinnen. Und nicht nur das Geschäft wächst, auch das Interesse am Thema Clearing an sich. Der bevorstehende Brexit hat unser Geschäft in den Fokus von Politik, Regulatoren und der Öffentlichkeit gerückt.

35 Banken als Partner

Die Vorstellung, dass ein billionenschweres Geschäft in Euro außerhalb der Kontrolle der EU-Aufseher und der zuständigen Notenbank vonstattengeht, sorgt für Bedenken. Wir nehmen diese Bedenken auf und haben eine marktorientierte Lösung geschaffen, bei der wir einen signifikanten Teil unserer Erträge mit den aktivsten Teilnehmern des Programms teilen und diesen Marktteilnehmern auch Sitze in unseren Gremien einräumen, damit sie bei der Weiterentwicklung des Geschäfts mitwirken können. Daher kommt der Name “Partnerschaftsprogramm”. Rund 35 Banken sind mittlerweile an Bord.

Neue Services

Künftig bieten wir auch das Clearing von Zinsswaps für Endkunden aus den Vereinigten Staaten an – und erweitern damit die Zielgruppe für unser Angebot erheblich. Ebenso wollen wir 2019 über externe Dienstleister einen Service etablieren, der Kunden beim Transfer von Bestandspositionen von einem CCP zum anderen hilft. Kurzum: Mehr Wettbewerb ist nicht nur gesund für den Markt - sondern fördert Innovation.

Basierend auf dem erfolgreichen Angebot im Zinsderivatesegment haben wir im vergangenen Monat nachgelegt und das Programm um Repogeschäfte und das Clearing von Währungsswaps erweitert. Für das Repo-Programm haben sich bereits jetzt mehr als 25 Marktteilnehmer entschieden. Auch hier ist das Ziel, eine echte Alternative zum Clearing in London zu schaffen.

Denn nach wie vor dominiert die britische Hauptstadt, wenn es um die zentrale Verrechnung von außerbörslich gehandelten Derivaten geht. Übrigens: Beim Clearing von börsengehandelten Derivaten haben wir in Frankfurt schon heute die Nase vorn.

Das erweiterte Programm zielt neben der Ausweitung des geclearten Repo-Geschäfts für Pensionskassen und Asset Manager insbesondere darauf ab, das Repo-Geschäft im Interbankenmarkt in europäischen Staatsanleihen an der Eurex auszubauen. Ähnlich wie bei den Zinsswaps, gibt es bei Repo und FX Clearing über das Partnerschaftsprogramm eine echte Chance, Frankfurt als DAS Zentrum für Risikomanagement in Euro-denominierten Instrumenten zu etablieren.

Repos sind besicherte Geldmarktinstrumente, mittels derer Banken ihren kurzfristigen Liquiditätsbedarf durch die Hinterlegung von Wertpapieren decken. Der Repo-Markt ist damit ein wichtiges Element im Geldmarktzyklus zwischen Banken, Zentralbanken und Investoren.

 
Eine Verlagerung von Teilen des Geschäfts zur Eurex unterstützt die Marktteilnehmer bei der Bewältigung regulatorischer Unsicherheiten und potenzieller Anforderungen nach dem Brexit. Die Institute können zudem von TARGET2-Securities profitieren, einer europaweiten Plattform, die eine Echtzeit-Abwicklung in Zentralbankgeld ermöglicht. Vor allem aber profitieren sie von einer geringeren Bilanzsumme, da sie die einzigartigen Netting-Funktionen von Eurex bei Special-, General Collateral- und General Collateral-Repo-Geschäften nutzen können.

Mit dem FX-Segment des Partnerschaftsprogramms beabsichtigen wir, die Vorteile des zentralen Clearings in neue Märkte zu bringen, die bislang zu größten Teilen nicht gecleart werden. Eurex Clearing arbeitet derzeit gemeinsam mit Marktteilnehmern daran, das erste große Clearinghaus mit einem umfassenden Angebot an Clearingservices für Cross-Currency-Swaps zu werden.

Reduktion von Systemrisiken

Egal ob Repos, Zinsderivate oder Währungstransaktionen: Zentrale Gegenparteien, wie Clearinghäuser in der regulatorischen Sprache heißen, reduzieren die Systemrisiken in Finanzmärkten deutlich, und bilden daher eine bedeutende Säule der G20-Agenda. 2009 wurden drei Hauptursachen für die Finanzkrise ausgemacht: exzessive Risikoübernahme, eine starke Vernetzung von Marktteilnehmern (“interconnectedness”) und eine mangelhafte Besicherung von Geschäften.

Als Clearinghaus schaffen wir in allen diesen Bereichen Abhilfe. Wir ermitteln in Echtzeit die Risiken, die unsere Mitglieder am Finanzmarkt eingehen. Wir treten als Gegenpartei in die Geschäfte ein und garantieren deren Erfüllung für den Fall, dass eine Partei ausfällt. Und wir sorgen dafür, dass Transaktionen ausreichend besichert sind. Diese drei Funktionen sorgen dafür, dass zunehmend sogar Marktteilnehmer unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen, für die eine entsprechende gesetzliche Anforderung gar nicht existiert. Beispiele sind die Deutsche Finanzagentur, die Kreditanstalt für Wiederaufbau und die niederländische Staatsschuldenagentur.

Mit zunehmender eigener Clearingaktivität stellt sich Marktteilnehmern die Frage der Risikosteuerung: Ist es sinnvoll, alle Geschäfte bei einem Clearinghaus zu verrechnen oder ist es besser, das Volumen vielmehr zu verteilen? Die Finanzbranche hat sich an dieser Stelle für eine Streuung entschieden. Die Teilnehmer des Partnerschaftsprogramms betonen nahezu unisono, dass sie die Auswahlmöglichkeit schätzen, die wir mit unserem Modell geschaffen haben.

Das gilt übrigens unabhängig vom Ausgang des Brexit. Der Markt hat sich für eine Risikostreuung entschieden, und entgegen anderslautender Warnungen sind damit auch keine nennenswerten Zusatzkosten für die Kunden verbunden. In Frankfurt kostet das Clearing von außerbörslich gehandelten Zinsderivaten genau so viel wie in London.

Und unser Partnerschaftsmodell ist die Grundlage dafür, dass wir im neuen Jahr gemeinsam noch mehr erreichen: Für die Kunden, den Markt und einen starken Finanzplatz Frankfurt.