Kredit-, Konzentrations- & Wrong-Way-Risiko

Kredit-, Konzentrations- & Wrong-Way-Risiko

Zur Gewährleistung der Stabilität des Clearinghauses und zum Schutz des gemeinsamen Ausfallfonds führen wir interne Bonitätsprüfungen aller Gegenparteien durch und überwachen jederzeit das Kredit-, Konzentrations- und Wrong-Way-Risiko. Dadurch garantieren wir auch in extremen Marktphasen die vollständige Erfüllung aller Verpflichtungen gegenüber unseren Gegenparteien. Es ist für uns wesentlich, alle Risiken zu betrachten, die sowohl aus dem Handelsportfolio resultieren, als auch innerhalb der dafür hinterlegten Sicherheiten entstehen können.

Als Gegenpartei definieren wir sowohl ein Clearing-Mitglied als auch ein, gemäß des Individual-Clearingmodells individuell segregiertes Non-Clearing-Mitglied bzw. einen Registrierten Kunden. Unter dem Begriff Handelsportfolio verstehen wir alle Clearingaktivitäten einer Gegenpartei resultierend aus Transaktionen in:

Hier finden Sie einen Überblick über die Märkte in denen Eurex Clearing als zentraler Kontrahent agiert.

 

  • Derivaten
  • Spotmarktgeschäften
  • Special Repo, GC-Pooling und GC Transaktionen
  • Wertpapierleihgeschäften
  • Reinen Geldtransfers.

Die hinterlegten Sicherheiten einer Gegenpartei werden in so genannten Sicherheitenpools subsummiert. Diese beinhalten alle Instrumente einer Gegenpartei zur Erfüllung

  • ihrer Margin-Anforderungen,
  • ihres Ausfallfonds-Beitrags,
  • ihrer Eigenkapitalanforderungen.

Ein Großteil der definierten Risikoschwellen bezieht sich auf den ausstehenden Nominalbetrag, der unter Berücksichtigung sowohl des Handelsportfolios als auch des Sicherheitenpools bestimmt wird und sich für die einzelnen Produktklassen wie folgt berechnet:

  • Geldbestand: Nominalwert
  • Aktiengeschäfte: Marktpreis * Anzahl der Aktien
  • Anleihen/Repo: Marktpreis * Nominalwert
  • Derivate

    • Future: Positionsgröße * Multiplikator * Marktpreis des Basiswertes;
    • Optionen: Positionsgröße * Multiplikator * Marktpreis des Basiswertes * Delta.

Die betrachteten Risikoarten lassen sich wie folgt definieren:

  • Unter dem Begriff Kreditrisiko verstehen wir alle potentiellen Verluste, die einer Vertragspartei entstehen würden, falls die Gegenpartei ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommt.
  • Unter dem Begriff Konzentrationsrisiko verstehen wir alle potentiellen Verluste, die durch den Abwicklungsprozess einer ausgefallenen Gegenpartei aufgrund ungenügender Diversifikation des Sicherheitenpools oder des Handelsportfolios jener Gegenpartei entstehen würden.
  • Unter dem Begriff Wrong-Way-Risiko verstehen wir alle potentiellen Verluste, die uns durch den Abwicklungsprozess einer ausgefallenen Gegenpartei dadurch entstehen würden, dass sich die bestehenden Wechselbeziehungen zwischen der Bonität der Gegenpartei, dem Wert ihres Sicherheitenpools und dem Wert ihres Handelsportfolios nachteilig auf uns auswirkt.

Um die entsprechenden Risiken abzubilden, werden alle Gegenparteien, Länder und supranationale Organisationen nach einem vordefinierten Fünf-Farben-Schema (Grün, Gelb, Orange, Rot oder Nicht Akzeptiert) eindeutig klassifiziert.

 

Kreditrisiko

Ein wesentlicher Bestandteil des Risikos jeder Finanztransaktion ist das Kreditrisiko. Allgemein verstehen wir unter Kreditrisiko den potentiellen Verlust, der einer Vertragspartei dadurch entstehen würde, dass die Gegenpartei ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommt. Als zentraler Kontrahent sind wir, die Eurex Clearing, Kreditrisiken in besonderem Maße ausgesetzt. Dennoch garantieren wir die Erfüllung all unserer Verpflichtungen gegenüber nicht ausgefallenen Gegenparteien ebenfalls in extremen Marktphasen. Um diesem Anspruch sowie unseren hohen Standards gerecht zu werden, ist eine interne Bonitätseinschätzung und kontinuierliche Beobachtung aller Kreditrisiken, welche sowohl im Handelsportfolio als auch im Sicherheitenpool auftreten können, unabdingbar. Eine interne Bonitätsprüfung wird durch folgende Ereignisse ausgelöst:

  • Initiale Bonitätsprüfung vor Erteilung einer Clearing-Lizenz
  • Jährliche Bonitätsprüfung aller Gegenparteien
  • Ad-hoc Bonitätsprüfung, wenn dies notwendig ist.

Jede dieser Überprüfungen führt zur eindeutigen Klassifizierung einer Gegenpartei und wird dieser initial und bei Änderungen mitgeteilt. Darüber hinaus können Kreditlinien zur Steuerung bzw. Kontrolle des Verlustpotenzials im Falle eines Ausfalls einer Gegenpartei vergeben werden. Hierbei können abhängig vom Handelsportfolio Kreditlinien in Form von maximalen Margin-Anforderungen und/ oder einem maximal ausstehenden Nominalbetrag entstehend aus der Transaktion der Gegenpartei definiert werden.
Die oben erwähnte Klassifizierung einer Gegenpartei findet ebenfalls bei der Betrachtung von Schwellenwerten im Konzentrations- und Wrong-Way-Risiko Anwendung (weitere Erläuterungen sind in den entsprechenden Abschnitten zu diesen Themen zu finden).

Konzentrationsrisiko

Ein Handelsportfolio oder Sicherheitenpool gilt als konzentriert, falls das Exposure einer bestimmten Position die Gesamtmarktnachfrage innerhalb des erwarteten Liquidationszeitraums übersteigt. Die Marktnachfrage hängt hierbei von der Marktkapazität und der (Kredit-)Qualität des spezifischen Wertpapiers ab.

Grundsätzlich kann der Sicherheitenpool zur Erfüllung der Margin- und Clearing-Fonds-Forderungen aus Barmitteln und Wertpapieren bestehen. Falls beim Ausfall einer Gegenpartei bei der Abwicklung der Portfolios große Positionen einzelner Wertpapiere liquidiert werden müssen, kann dies zu Verlusten führen, wenn der Markt gesättigt ist und die Nachfrage dadurch nicht ausreichend ist. Ähnliche Verluste können auftreten, wenn das Handelsportfolio auf analoge Weise konzentriert ist. Hier können eine zu geringe Nachfrage oder ein zu geringes Angebot bei der Abwicklung bzw. der Glattstellung einzelner Positionen zu Verlusten führen. Um Verluste dieser Art zu vermeiden, definieren wir Limits, die für alle Gegenparteien verbindlich sind.

Die aktuell gültigen Limits sind in Tabelle 1 dargestellt:

Konzentrationsrisiko – Allgemeine Limits

Neben der Klassifizierung von Gegenparteien werden auch Staaten und supranationale Organisationen klassifiziert, wobei diese bei der Bestimmung der Limits Berücksichtigung finden. Hierbei findet das gleiche Farbschema Anwendung, welches bereits im allgemeinen Teil vorgestellt wurde. Details zu den aktuellen Klassifizierungen finden sich auch in der Eurex Clearing Member Section.
Die aktuell gültigen Limits finden Sie hier. Zu beachten ist, dass diese Limits sowohl für das Handelsportfolio als auch den Sicherheitenpool einer Gegenpartei angewendet werden (Ausnahmen: siehe *).

Konzentrationsrisiko – Limits pro Länderklassifizierung

Für börsengehandelte Zinsderivate sind die Limits auf den ausstehenden Nominalbetrag nicht anzuwenden, d.h. etwaige Positionen in diesen Instrumenten werden bei der Bestimmung der Auslastung in den jeweiligen Konzentrationslimits (wie in der obigen Tabelle angegeben) nicht berücksichtigt. Stattdessen ist für diese börsengehandelten Zinsderivate ein täglicher Überwachungsprozess inklusive Frühwarnsystem etabliert. Clearingteilnehmer, deren Positionen einen Anteil von mehr als 30% aller offenen Positionen in den entsprechenden Instrumenten ausmachen, werden proaktiv kontaktiert.

Konzentrationsrisiko – Limits pro Klassifizierung supranationaler Organisationen

Wrong-Way Risiko

Ein weiterer Aspekt des Gesamtrisikos bezieht sich auf Effekte, die aus dem Zusammenspiel zwischen der Bonität einer Gegenpartei und dem Wert der von ihr hinterlegten und mit ihr verflochtenen Instrumente entstehen. Unter „mit einer Gegenpartei verflochtenes Instrument“ verstehen wir solche, bei denen der Ausfall der Gegenpartei mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem signifikanten Wertverlust des Instruments führt. Dieses potentielle Verlustrisiko bezeichnen wir als Wrong-Way-Risiko.

Ein erster Schritt zur Vermeidung von Wrong-Way-Risiko besteht darin, dass wir Gegenparteien nicht gestatten, eigene Emissionen oder Emissionen von rechtlich verbundenen Einheiten als Sicherheiten zu hinterlegen. Weiterhin ist eine Hinterlegung dieser Instrumente auch nicht als Sicherheit für Repo- oder Wertpapierleihgeschäfte zulässig.

Für den Fall, dass ein Clearingteilnehmer Positionen eingeht, die ihn dem Risiko der negativen Wertentwicklung seiner eigenen Aktien (z.B. Derivate auf die eigenen Aktien) oder anderen Instrumenten, die er selbst oder eine mit ihm verflochtene Gesellschaft emittiert hat, aussetzt, wird zur Bestimmung der angemessenen Besicherung für diese Positionen angenommen, dass die entsprechenden Instrumente einen Totalverlust im Falle eines Ausfalls des Teilnehmers erleiden. Mittel, die bereits im Rahmen der regulären Bestimmung der zu hinterlegenden Sicherheiten für diese Positionen eingefordert worden sind sowie die sich daraus ergebenden anteiligen Anforderungen an dem Ausfallfonds werden von der entsprechenden Zusätzlichen Margin abgezogen. Ein täglicher Überwachungsprozess ermöglicht eine enge Kontrolle dieses speziellen Wrong-Way Risikos. Um einen effizienten Prozess zum Verwalten der eingeforderten Sicherheiten auf Seiten der Clearingteilnehmer zu gewährleisten, wird die hier genannten Zusätzliche Margin wöchentlich, auf Basis des größten erwarteten Verlustes (d.h. Verlust aus der Position abzüglich der dafür bereits gestellten Sicherheitenanforderungen) der vorherigen Arbeitswoche berechnet.

Als zusätzliche Schritte zur Minimierung von Wrong-Way-Risiko legen wir spezifische Limits fest, die sowohl für den Sicherheitenpool als auch für das Handelsportfolio gelten. Diese Limits beziehen sich insbesondere auf das Herkunftsland der Gegenpartei und die Herkunftsländer der Emittenten innerhalb des Sicherheitenpools und des Handelsportfolios der Gegenpartei. Im Weiteren führen wir daher die Bezeichnungen "gleiches Land" und "alle Länder" ein:

  • "Gleiches Land" ist definiert als Herkunftsland der Gegenpartei;
  • "Alle Länder" umfasst alle Länder inklusive dem Herkunftsland der Gegenpartei.

Eine Übersicht der aktuell gültigen Limits finden Sie in den folgenden Tabellen. Sie beziehen sich sowohl auf den Sicherheitenpool als auch auf das Handelsportfolio der Gegenpartei. Bei Wrong-Way Risiko gilt bezüglich börsengehandelter Zinsderivate die gleiche Regelung wie für Konzentrationsrisiko.

Wrong-Way-Risiko – Limits für „gleiches Land“

Wrong-Way-Risiko – Limits für „alle Länder“

 
 

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