Differenzanspruch

Differenzanspruch

Wenn ein Clearing-Mitglied ausfällt, kündigt Eurex Clearing, gemäß deutschem Insolvenzrecht, alle Transaktionen zwischen dem ausgefallenen Clearing-Mitglied und sich selbst, rechnet alle noch ausstehenden Ansprüche zwischen sich selbst und dem ausgefallenen Clearing-Mitglied gegeneinander auf, und bestimmt einen, in Geld zu begleichenden Anspruch den eine Partei gegenüber der anderen zu erfüllen hat, einen so genannten Differenzanspruch.

Berechnung des Differenzanspruchs

Die Bestimmung eines Differenzanspruchs basiert auf den Liquidationspreisen, die Eurex Clearing im Rahmen des Default Management-Prozesses erzielt. Kosten, die im Zusammenhang mit dem Default Management-Prozess entstehen, werden ebenfalls in der Berechnung des Differenzanspruchs berücksichtigt. 

Eurex Clearing berechnet einen dedizierten Differenzanspruch für jeden Rahmenvertrag zwischen sich selbst und dem ausgefallenen Clearing-Mitglied, beziehungsweise dessen Kunden. Maximal werden ein Differenzanspruch für das Eigenhandelsgeschäft des ausgefallenen Clearing-Mitglieds, jeweils ein Differenzanspruch für jeden Omnibus-Kunden-Pool gemäß Grund-Clearingmodell, jeweils ein Differenzanspruch für jeden Omnibus-Kunden-Pool gemäß Net Omnibus-Clearingmodell, und jeweils ein Differenzanspruch für jedes individuell segregierte Nicht-Clearing-Mitglied bzw. jeden individuell segregierten Registrierten Kunden berechnet.

Hinterlegte Margin-Sicherheiten und Beiträge zum Clearing-Fonds werden entweder direkt im jeweiligen Differenzanspruch berücksichtigt, oder besichern diesen. Margin-Sicherheiten, die per Eigentumsübertrag bei Eurex Clearing hinterlegt sind (Margin-Sicherheiten in Geld in allen Clearingmodellen und Margin-Sicherheiten in Wertpapieren im Individual-Clearingmodell) werden direkt in den relevanten Differenzanspruch einbezogen. An Eurex Clearing verpfändete Margin-Sicherheiten (Margin-Sicherheiten in Wertpapieren im Grund-Clearingmodell und im Net Omnibus-Clearingmodell) und Beiträge zum Clearing-Fonds besichern den jeweiligen Differenzanspruch.

  • Im Grund-Clearingmodell und im Net Omnibus-Clearingmodell werden Differenzansprüche zwischen Eurex Clearing und dem Insolvenzverwalter des ausgefallenen Clearing-Mitglieds beglichen (jeweils im Auftrag für alle im Omnibus-Kunden-Pool enthaltenen Kunden).
  • Im Individual-Clearingmodell ist der Differenzanspruch automatisch vom Clearing-Mitglied an den jeweiligen ICM-Kunden verpfändet und vice versa. Als Folge dessen erfolgt die Rückgabe verbleibendender Margin-Sicherheiten (oder die Forderung nach zusätzlichen Sicherheiten) direkt zwischen Eurex Clearing und dem ICM-Kunden ohne Einbeziehung des ausgefallenen Clearing-Mitglieds oder dessen Insolvenzverwalters.

Unabhängig von den Differenzansprüchen, die am Ende des Default Management-Prozesses bestimmt werden, bedarf der Transfer eines ICM-Kunden zu einem nicht-ausgefallenen Clearing-Mitglied beziehungsweise die Interim-Teilnahme eines ICM-Kunden, der Berechnung eines zusätzlichen Differenzanspruchs. Da in diesem Fall keine Liquidationspreise vorliegen, die als Basis für einen Differenzanspruch dienen können, basiert ein entsprechender Differenzanspruch auf täglich durch Eurex Clearing bestimmten Abrechnungspreisen.