Auktionsprozess für Liquidationsgruppe Zinsderivate

Auktionsprozess für die Liquidationsgruppe Zinsderivate

Für Zinsswaps kann jedes Clearing-Mitglied in der Clearing-Lizenz auswählen, in welchen Währungen es aktiv sein will und muss folglich auch nur an Auktionen in den gewählten Währungen teilnehmen.

Bezüglich der Liquidationsgruppe Zinsderivate veranstaltet Eurex Clearing eine dedizierte „Single-Unit-Auktion“ für jede im Portfolio des ausgefallenen Clearing-Mitglieds enthaltene Währung, d.h. alle Produkte in einer bestimmten Währung werden zusammen in einer Auktion versteigert. Eurex Clearing stellt allen Auktionsteilnehmern die entsprechenden Portfolien zur Verfügung, jeder Auktionsteilnehmer gibt pro Portfolio einen Preis ab, und der jeweils beste Preis bekommt den Zuschlag. Bitte beachten sie, dass es nicht möglich ist nur für bestimmte Produkte innerhalb eines Portfolios zu bieten.

Wenn das ausgefallene Clearing-Mitglied Gebrauch von Eurex Clearing’s Angebot zum Cross Margining zwischen Zinsswaps und börsennotierten Zinsderivaten gemacht hat, stellt Eurex Clearing sicher, dass die entsprechenden Produkte zeitgleich liquidiert werden, sodass der CCP jeder Zeit ausreichend besichert ist.

Das hier beschriebene Auktionsformat und die Auktionsprozeduren finden sowohl für gemischte Portfolien aus Zinsswaps und börsennotierten Zinsderivaten, als auch für reine Zinsswap-Portfolien Anwendung. Wenn das Portfolio eines ausgefallenen Clearing-Mitglieds ausschließlich aus börsennotierten Zinsderivaten besteht, wendet Eurex Clearing  das Auktionsformat einer „Multi-Unit-Auktion“ an. Die „Multi-Unit-Auktion“, die üblicherweise für die Liquidationsgruppe Aktien- und Aktienindexderivate durchgeführt wird, maximiert den Kreis der möglichen Auktionsteilnehmer und führt so zu einer optimalen Bewertung des jeweiligen Portfolios.

Bei der Preisabgabe kennzeichnet ein positiver Preis einen Betrag, der vom Auktionsteilnehmer an Eurex Clearing zu zahlen ist. Ein negativer Preis kennzeichnet einen Betrag, der von Eurex Clearing an den Auktionsteilnehmer zu zahlen ist. Hier finden Sie eine Musterdatei, mit der das Format eines Auktionsportfolios in der Liquidationsgruppe Zinsderivate validiert werden kann.

 

Entbindung von der Auktionsverpflichtung

Unter bestimmten Bedingungen kann ein Clearing-Mitglied von der verpflichtenden Teilnahme an einer Auktion in der Liquidationsgruppe Zinsderivate freigesprochen werden. Wenn ein Clearing-Mitglied in den letzten drei Monaten vor dem Ausfall eines anderen Clearing-Mitglieds (a) weniger als 10 Transaktionen durchgeführt hat, oder (b) eine durchschnittliche Margin-Anforderung von weniger als 0,5 Prozent der durchschnittlichen Margin-Anforderung aller Clearing-Mitglieder in Verbindung mit einem durchschnittlichen Nominalbetrag von weniger als 0,5 Prozent des durchschnittlichen Nominalbetrages aller Clearing-Mitglieder, jeweils in der entsprechenden Währung, hat, ist dieses Clearing-Mitglied von der Auktions-teilnahme befreit.

Wenn ein Clearing-Mitglied verpflichtet ist an einer Auktion teilzunehmen, dieser Verpflichtung aber nicht nachkommt, findet eine Geldstrafe Anwendung. Die Höhe der Geldstrafe hängt von der relative Größe des Clearing-Mitglieds in der entsprechenden Währung ab und kann maximal 5 Millionen EUR betragen.

Bestimmung von Auktionspreisen

Um Clearing-Mitglieder zu ermutigen, möglichst konkurrenzfähige Preise abzugeben, hat Eurex Clearing die Reihenfolge, in der die Beiträge zum Clearing-Fonds von nicht-ausgefallenen Clearing-Mitgliedern verwertet werden, näher definiert. In Abhängigkeit der jeweiligen Qualität eines abgegebenen Preises werden (Teile der) Beiträge zum Clearing-Fonds des jeweiligen Clearing-Mitgliedes „juniorisiert“ oder „seniorisiert“. Alle juniorisierten Beiträge werden verwertet, bevor es zur Verwertung seniorisierter Beiträge käme. Auf jeder „Verwertungsstufe“ werden die Beiträge aller relevanten Clearing-Mitglieder auf Pro-Rata-Basis verwertet.

Um die Qualität eines Gebotes zu bestimmen, klassifiziert Eurex Clearing jeden in einer Zinsderivate-Auktion abgegebenen Preis als „ausreichend“, „mittel“ oder „unzureichend“. Ein Preis gilt als „ausreichend“, wenn die Differenz zwischen diesem Preis und dem Preis, der den Zuschlag bekommen hat, kleiner oder gleich der Hälfte der Margin-Anforderung für das Auktionsportfolio ist. Ein Preis gilt als „unzureichend“, wenn die entsprechende Differenz mehr als das 1,5-fache der Margin-Anforderung des Auktionsportfolios ist und als „mittel“, wenn die Differenz zwischen dem 0,5-fachen und dem 1,5-fachen der Margin-Anforderung liegt. Die Clearing-Fonds-Beiträge von Auktionsteilnehmern, die „ausreichende“ Preise abgegeben haben, werden „seniorisiert“, d.h. nachrangig verwertet. Die Clearing-Fonds-Beiträge von Auktionsteilnehmern mit „unzureichenden“ Preisen werden „juniorisiert“, d.h. vorrangig verwertet, und die Clearing-Fonds-Beiträge von Auktionsteilnehmern mit „mittleren“ Preisen werden teilweise „juniorisiert“ und teilweise „seniorisiert“.

Börsennotierte Zinsderivate können entweder Futures oder Optionen sein. Alle Futures und Futures-Style-Optionen (d.h. alle börsennotierten Zinsderivate in der Liquidationsgruppe Zinsderivate) haben zu Beginn jeden Geschäftstages einen Wert von null. Im Tagesverlauf ergibt sich der Wert einer entsprechenden Position aus der anfallenden Variation Margin, die am Ende jeden Geschäftstages fällig wird. Bei der Bepreisung eines Futures oder einer Futures-Style-Option in einer Default Management-Auktion ist es wichtig, dass Clearing-Mitglieder nicht den Nominalwert der Position, sondern die individuellen Erwartungen über die am Ende des Auktionstages anfallende Variation Margin berücksichtigen.