Auktionsprozess für Liquidationsgruppe Aktien- und Aktienindexderivate

Auktionsprozess für die Liquidationsgruppe Aktien- und Aktienindexderivate

Bezüglich der Liquidationsgruppe Aktien- und Aktienindexderivate veranstaltet Eurex Clearing Multi-Unit-Auktionen, und akzeptiert pro Auktions-Einheit den jeweils höchsten wirtschaftlich angemessenen Preis.

 

Bildung von Auktions-Einheiten

Eurex Clearing unterteilt das Portfolio des ausgefallenen Clearing-Mitglieds in eine nicht veröffentlichte Anzahl identischer kleinerer Portfolien, so genannte Auktions-Einheiten, und informiert jedes Clearing-Mitglied über die Mindestanzahl von Auktions-Einheiten für welche dieses Clearing-Mitglied einen Preis abzugeben hat. Jegliche Reste, die sich aus der Unterteilung in Auktions-Einheiten ergeben, liquidiert Eurex Clearing mittels eines freien Verkaufs.

Die Zuordnung der Mindestanzahl von Preisen, die ein Clearing-Mitglied zu unterbreiten hat, hängt von der relativen Größe des Clearing-Mitglieds, verglichen mit der relativen Größe aller anderen Clearing-Mitglieder in der Liquidationsgruppe Aktien- und Aktienindexderivate ab. Die Summe der Mindestanzahl von Preisen, die Eurex Clearing auf alle Clearing-Mitglieder verteilt, übersteigt die Anzahl der tatsächlich versteigerten Auktions-Einheiten um die Abgabe wettbewerbsfähiger Preise zu fördern.

Wenn ein Clearing-Mitglied in den letzten drei Monaten vor dem Ausfall eines Clearing-Mitglieds keine Transaktionen in der Liquidationsgruppe Aktien- und Aktienindexderivate durchgeführt hat, wird es von der Teilnahme an einer Auktion für diese Liquidationsgruppe freigestellt.

Festsetzung der Auktionskurse

Zu Beginn einer Auktion, stellt Eurex Clearing allen Auktionsteilnehmern ein Portfolio zur Verfügung, das einer Auktions-Einheit entspricht. Dieses Portfolio ist entweder das tatsächliche Portfolio, das versteigert wird, oder das Inverse des tatsächlichen Auktionsportfolios. Alle Auktionsteilnehmer sind aufgefordert Eurex Clearing einen Geldkurs und einen Briefkurs für ihre Mindestanzahl von Auktions-Einheiten zur Verfügung zu stellen. Eurex Clearing definiert die maximale Differenz, die zwischen den beiden Kursen liegen darf. Ein negativer Geldkurs indiziert einen Betrag der von Eurex Clearing an den erfolgreichen Auktionsteilnehmer zu zahlen ist, ein negative Briefkurs indiziert einen Betrag der vom erfolgreichen Auktionsteilnehmer an Eurex Clearing zu zahlen ist.  

Bei der Definition der maximal zulässigen Differenz zwischen Geldkurs und Briefkurs, folgt Eurex Clearing entweder einer entsprechenden Empfehlung des zuständigen Default Management Committees, oder fragt eine Empfehlung von allen Auktionsteilnehmern an und definiert die maximal zulässige Differenz als Durchschnitt dieser Empfehlungen. Jeder Preis, der die Anforderung der maximal zulässigen Differenz zwischen Geld- und Briefkurs erfüllt, gilt als wirtschaftlich angemessen.

Wenn ein Clearing-Mitglied Preise für mehr als eine Auktions-Einheit abzugeben hat, kann das Clearing-Mitglied frei entscheiden, ob es denselben Preis für alle entsprechenden Auktions-Einheiten abgibt, oder unterschiedliche Auktions-Einheiten unterschiedlich bepreist. Clearing-Mitglieder können jederzeit Preise für eine Anzahl von Auktions-Einheiten abgeben, die ihre jeweilige Mindestanzahl übersteigt.

Bitte beachten Sie den folgenden Hinweis für die Bewertung eines Portfolios in einer Default-Management-Auktion. Börsennotierte Aktien- und Aktienindexderivate können entweder Optionen oder Futures sein. Der Wert einer Option, die Optionsprämie ist in der Preisfindung für ein Portfolio zu berücksichtigen. Futures hingegen haben zu Beginn eines jeden Geschäftstages einen Wert von null. Im Tagesverlauf ergibt sich der Wert eines Futures aus der anfallenden Variation Margin, die am Ende jeden Geschäftstages fällig wird. Bei der Bepreisung eines Futures in einer Default Management-Auktion, ist es äußerst wichtig nicht den Nominalwert des Futures, sondern die individuellen Erwartungen über die preisliche Entwicklung des Futures am Auktionstag zu berücksichtigen.

Grundsätzlich ist es möglich, dass in einem Auktionsportfolio Produkte enthalten sind, die in unterschiedlichen Währungen denominiert sind. Eurex Clearing fordert alle Clearing-Mitglieder auf relevante Produktwährungen und Wechselkurse in ihrer Preisfindung für ein Auktionsportfolio von Aktien- und Aktienindexderivaten zu berücksichtigen.

Nichtabgabe von Auktionspreisen

Wenn ein Clearing-Mitglied seiner Verpflichtung zur Abgabe einer Mindestanzahl von Preisen nicht nachkommt, wird eine Geldstrafe fällig und der Clearing-Fonds-Beitrag des Clearing-Mitglieds wird juniorisiert, d.h. vorrangig zu den Beiträgen aller anderen Clearing-Mitglieder verwertet, die ihrer Teilnahmeverpflichtung nachgekommen sind. Die genaue Höhe der Geldstrafe hängt von der relativen Größe des nicht-bietenden Clearing-Mitglieds ab (EUR 500.000 pro 1% des gesamten Auktionsportfolios (Summe aller Auktions-Einheiten), für das das Clearing-Mitglied hätte bieten müssen, dies jedoch versäumt hat), und kann maximal 5 Millionen EUR betragen.

Wenn in einer Auktion manche, aber nicht alle Auktions-Einheiten erfolgreich versteigert werden, entsteht ein Kompensationsanspruch von Eurex Clearing gegenüber den nicht-bietenden Clearing-Mitgliedern. Die nicht-bietenden Clearing-Mitglieder (jeweils für ihren entsprechenden Pro-Rata-Anteil) müssen Eurex Clearing alle Verluste erstatten, die aus solchen Positionen entstehen, für die sich Eurex Clearing im Rahmen der Auktion nicht ausbalancieren hat können. Dieser Anspruch erlischt, wenn die nicht-bietenden Clearing-Mitglieder nachträglich (nachdem die Auktion bereits beendet ist) entsprechende Transaktionen mit Eurex Clearing eingehen. Falls Eurex Clearing einen Kompensationsanspruch gegenüber einem nicht-bietenden Clearing-Mitglied hält, so wird die Geldstrafe die das nicht-bietende Clearing-Mitglied für diese Auktion zu leisten hat, vom Kompensationsanspruch abgezogen.